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Street View

Google Street View hat bereits jetzt viel Konkurrenz.

Schöne digitale Welt: Ein Spaziergang rund um Big Ben, eine Fahrt über die Golden Gate Bridge. Man sollte hier aber nicht immer gleich an Googles umstrittene Straßenansichten Street View denken. Inzwischen arbeiten auch andere Unternehmen an einem digitalen Abbild unserer Welt, so unter anderem der vermögende Software-Riese Microsoft. Datenschützer fordern angesichts dieser Bilderflut, nicht immer nur allein über Google zu diskutieren.

In Sachen Internet ist Microsoft Google meistens etwas hinterher, so auch bei den Straßenansichten. Während Google schon im Jahre 2007 Street View startete und inzwischen Panorama-Bilder aus 23 Ländern anbietet, ist das Gegenstück von Microsoft, Streetside, bisher auf die USA beschränkt und in Deutschland noch gar nicht verfügbar. Allerdings hat Microsoft große Pläne: Bei einigen Projekten ist der Windows-Hersteller sogar ambitionierter als das, was man bisher von Google kennt.

Schon heute bietet der Kartendienst Bing Maps einen Blick aus der Vogelperspektive.

Alle deutschen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern sind so zu besichtigen. Mit Photosynth lassen sich Bilder von einem bestimmten Ort zu 3D-Ansichten zusammensetzen. Bisher gibt es aber nur Ansichten von häufig fotografierten Sehenswürdigkeiten. Was alles möglich ist, zeigt aber ein Blick auf den Marienplatz in München oder die Freiheitsstatue in New York. Man will „wesentliche Teile der Welt rekonstruieren“, so das Unternehmen Bing Maps. Sogar die Innenräume von Geschäften und Gebäuden will man erreichen. Um solche Ansichten zu gewinnen, sind Mitarbeiter des Unternehmens mit einem Fotorucksack unterwegs.

Ohne die Hilfe der vielen Lokalpatrioten, Fotofans und Fremdenverkehrsämter wären die Fotodienste von Google und Microsoft gar nicht möglich. Sie laden Tag für Tag ihre Bilder und Videos auf Plattformen wie YouTube, Flickr oder Panoramio, manchmal sogar versehen mit den Koordinaten des Aufnahmeortes. Aus diesem Sammelsurium können sich die Unternehmen dann bedienen. Die Photosynth-Kreationen setzen sich übrigens gänzlich aus Bildern von Nutzern zusammen. Die Straßenkarte Maps und der digitale Globus Earth wird von Google von der Plattform Panoramio angereichert.

All dies bringt jedoch große Probleme hinsichtlich des Datenschutzes mit sich.

Pixelung von Personen, ein Widerspruchsrecht für Hausbewohner? Nicht immer. Neben den IT-Riesen aus den USA mischen inzwischen auch deutsche Firmen im großen „Bilderspiel" mit. So will beispielsweise das Kölner Projekt „Bilderbuch Köln“ alle Häuser der Domstadt fotografieren, ins Netz stellen und dadurch eine „virtuelle Navigation“ durch die Stadt möglich machen. Ein Hausbesitzer klagte dagegen vor dem Landgericht Köln - seine Klage wurde jedoch abgewiesen und der Dienst für zulässig befunden. Bebilderte Spaziergänge durch sieben deutsche Städte bietet auch die Firma Sightwalk an.

Nach einer großen Diskussion in den Medien weiß man nun auch wie viele Haushalte Street View bislang aufgefordert haben, ihre Wohnhäuser in den Panorama-Ansichten unkenntlich zu machen. Dabei handelt es sich um rund 244.000 Haushalte in den 20 größten deutschen Städten. Das bedeutet, dass nur etwa drei Prozent der Betroffenen etwas dagegen haben, dass ihre Häuser bei Street View erscheinen. In einer Emnid-Umfrage im August gaben noch 52 Prozent an, gegen die Abbildungen ihres Wohnhauses bei Street View zu sein. Auf das ganze Land hochgerechnet sind drei Prozent aber mehr als eine Million Haushalte, betonen Datenschützer. Es bleibe abzuwarten, wie sich die verbleibenden 32 Millionen Haushalte verhielten. Das wäre die „kritische Masse“.

Google Street View wird jetzt jeden einzelnen Antrag prüfen und sodann per Hand die Abbildung von jedem Haus auf mehrere Bildern digital „verwischen“.

Die bisherigen Widersprüche bedeuten allerdings, dass Street View in Deutschland einige Lücken aufweisen wird. Denn auch wenn nur ein einziger Bewohner eines Hauses widerspricht, wird das komplette Haus dauerhaft „verwischt“. Ein Rückgängigmachen gibt es dann nicht mehr.

Deutschland ist laut Street View bereits komplett abfotografiert. Wo genau und wie viele Gebäude unkenntlich gemacht werden, kann Google nicht sagen. Die Flut von Briefen und Online-Post sowie die Trennung zwischen den tatsächlichen Anträgen und Anfragen zu anderen Themen konnte nur durch die Einstellung von 200 weiteren Mitarbeitern bewältigen.

Datenschützer und Bundesregierung betonen indessen, dass die über 244.000 Widersprüche nicht so einfach vom Tisch zu fegen seien. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU): „Wir haben mit einer sechsstelligen Zahl gerechnet und diese Erwartung ist eingetroffen“. Aigner hatte in den vergangenen Monaten besonders aktiv die Gefahr einer Verletzung der Privatsphäre bei einer Installierung des Street-View-Dienstes geschildert. Ihrer Meinung nach wird es auf dem Land mehr Widersprüche geben als in den Städten.

Nach der Einführung von Street View kann man sich ebenfalls noch gegen die Veröffentlichung wenden.

Der Widerspruch ist als formloser Brief an folgende Adresse zu richten: Google Germany GmbH, Betreff: Street View, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg. In diesem Schreiben sollten genaue Angaben gemacht werden, inwieweit man als Mieter oder Eigentümer von der Darstellung eines bestimmten Gebäudes in Street View betroffen ist. Laut Google mussten die Briefe bis 21. September 2010 abgeschickt werden. Eine E-Mail kann man an streetview-deutschland@google.com schicken. Dort wird man allerdings auf das Online-Formular verwiesen.


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Über den Autor

Joachim Cäsar-Preller

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