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Baumaterial

Neue Rechte beim Kauf von Baumaterial im Baumarkt.

Wer neu baut oder sein Haus renoviert, der versucht in der Regel, Baumaterial und Arbeit günstig einzukaufen. Viele private Bauherren kaufen Fenster, Türen, Fliesen, Tapeten und Bodenbeläge deshalb im Baumarkt, mitunter sogar im Internet. Solche Sparsamkeit kann richtig teuer werden, wenn das gekaufte Baumaterial Mängel hat.

Ein klassischer Fall: Der Kunde kauft im Baumarkt Parkett und lässt es vom Handwerker verlegen. Der Handwerker erkennt nicht, dass das Baumaterial Mängel hat. Erst Wochen später löst sich die obere Schicht des Bodens ab. Selbstverständlich hat der Kunde das Recht auf mangelfreie Ware, deshalb muss ihm der Baumarkt auch das Baumaterial ersetzen. Das war schon lange so. Auf den Handwerkerkosten für den Ein- und Ausbau allerdings blieb der Kunde bislang sitzen.

Dies wird sich nun möglicherweise ändern. Am 16. Juni 2011 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass der Verkäufer nicht nur das mangelhafte Baumaterial umtauschen, sondern auch die Folgekosten tragen muss (Aktenzeichen Rs C-65/09). Damit ist der Baumarktkunde aus dem Schneider - zumindest theoretisch. Wie sich das neue Recht umsetzen lässt und welche rechtlichen Schritte der Kunde dabei unternehmen muss, das wird die Praxis in nächster Zeit zeigen. Auf der sicheren Seite ist, wer sich den Rat des Baurechtsanwalts holt.

Einfacher ist die Situation, wenn der Kunde einen Handwerker beauftragt, der das Baumaterial mitbringt.

Baut der Handwerker fehlerhaftes Parkett ein, dann muss er es im Rahmen seiner Gewährleistung auch auf eigene Kosten wieder ausbauen und entsorgen sowie neues, fehlerfreies Baumaterial einbauen. In diesem Fall handelt es sich um einen Werkvertrag. Der Kunde hat mit dem Handwerker einen Vertrag über die Herstellung eines Werkes, in dem Fall des Bodens abgeschlossen. Also muss der Unternehmer auch vertragsgemäß liefern. Und zwar Material und Leistung aus einer Hand. Im Falle einer Reklamation hat es der Kunde auch nur mit einem Vertragspartner zu tun.

Vorsicht gilt nach wie vor beim Kauf von Baustoffen über das Internet. Viele Verbraucher machen sich gar keine Gedanken, was es rechtlich bedeutet, wenn sie beispielsweise eine Haustür in Italien bestellen oder Terrakottafliesen in Griechenland. Wird die Ware geliefert und hat Mängel, muss der Käufer einiges klären, etwa nach welchem Recht der Fall behandelt wird und welches Gericht gegebenenfalls überhaupt zuständig ist.

Diese und andere Fragen sind inzwischen auf europäischer Ebene geregelt worden.

Seit dem 17. Dezember 2009 gilt die so genannte „Rom I-Verordnung“. Eine EU-Verordnung gilt immer unmittelbar. Anders als bei einer Richtlinie der EU bedarf es keiner weiteren Umsetzung in das deutsche Recht. Es ist jetzt auch grundsätzlich möglich, mit dem Vertragspartner eine Vereinbarung über das anzuwendende Recht zu treffen. Allerdings gibt es hier keine allgemein gültigen Empfehlungen. Jeder Fall muss vorab unabhängig beurteilt werden. Wer größere Investitionen plant, der sollte sich deshalb vorher von einem Anwalt beraten lassen.


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Über den Autor

RA Jochen Zweschper

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