Wege zum Recht.



Telefonische Beratersuche unter:

0800 - 589 368 0333

(kostenfrei)


Brexit – und die Erbschafts- und Schenkungssteuer

Für Briten, die nicht in Deutschland leben, bedeutet der Brexit, dass ihnen für ihr in Deutschland belegenes Inlandsvermögen die Option zur unbeschränkten Erbschaftssteuerpflicht mit den dabei verbundenen Vorteilen nicht mehr zusteht. Für in Deutschland lebende Briten und Deutsche mit Vermögen in Großbritannien bedeutet dies, dass sie für ihr in Großbritannien belegenes Vermögen nach dem Brexit die deutschen Steuerbefreiungen nicht mehr in Anspruch nehmen können. Eine vorzeitige Übertragung – solange Großbritannien noch in der EU ist – kann daher sinnvoll sein.

Großbritannien befindet sich zurzeit noch in der EU, so dass zurzeit weiterhin die bisherigen Regelungen zur Erbschafts- und Schenkungsteuer für EU- Staaten gelten.

Im Falle, dass es zum Brexit kommt und Großbritannien auch nicht Mitglied des europäischen Wirtschaftsraum (EWR, sogenanntes Norwegisches Modell) wird, wird Großbritannien erstmals zu einem sogenanntenDrittland. Großbritannien kann dann mit der EU ähnlich wie die Schweiz separate Verträge abschließen. Bei den Verhandlungen mit der Schweiz, die diese Abkommen mit der EU abgeschlossen hat, war dies jedoch ein äußerst langwieriger Prozess.

Die folgenden Ausführungen gelten daher erst, wenn Großbritannien aus der EU ausgetreten ist:

Ist der Erblasser bzw. Schenker oder der Erwerber Inländer, so besteht eine sogenannte unbeschränkte Steuerpflicht. Ist keiner der Beteiligten Inländer und wird Inlandsvermögen übertragen, besteht nur eine sogenannte beschränkte Steuerpflicht.

Inländer sind nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG

- natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben.

- Deutsche Staatsangehörige, die sich nicht länger als 5 Jahre dauernd im Ausland aufgehalten haben, ohne im Inland einen Wohnsitz zu haben.

- Personen nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 c ErbStG.

- Körperschaften, Personenvereinigungen sowie Vermögensmassen, die ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben

Unbeschränkte Steuerpflicht:

Unbeschränkte Steuerpflicht bedeutet, dass erst das gesamte übertragene Vermögen nach dem deutschen Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht besteuert wird. Das heißt aber auch, dass es verschiedene Steuerbefreiungen und abhängig vom Verwandtschaftsgrad der Beteiligten persönliche Freibeträge gibt. Hier sind insbesondere die Freibeträge in Höhe von 500.000 € bei Übertragung von Ehegatten untereinander sowie von je 400.000 € von einem Elternteil auf ein Kind interessant. Darüber hinaus gibt es umfangreiche Steuerbefreiungen für Betriebsvermögen.

Beschränkte Steuerpflicht:

Bis zum 24.6.17 bestand nur ein Freibetrag in Höhe von 2.000 €. Der Europäische Gerichtshof (EUGH) sah darin die Kapitalverkehrsfreiheit beschränkt und urteilte in 2013, dass der sehr geringe Freibetrag von 2.000 € für Angehörige von sogenannten Drittlandsstaaten mit dem Grundsatz der Kapitalverkehrsfreiheit nicht vereinbar sei. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert. Nach § 16 Abs. 2 ErbStG gelten die Steuerbefreiungen sowie die Freibeträge nunmehr ebenso bei beschränkter Steuerpflicht. Sie gelten aber nur anteilig, also nur entsprechend dem Anteil des in Deutschland belegenen Vermögens im Verhältnis zum gesamten Weltvermögen.

Nachteil:

Nach § 2 Abs. 3 Satz 2 ErbStG sind dann für die Beteiligten die gesamten Erwerbe der 10 Jahre vor dem Besteuerungszeitpunkt der deutschen Erbschaft bzw. Schenkungssteuer unterworfen.

Option zur unbeschränkten Steuerpflicht:

Lebt der Erblasser bzw. Schenker oder der Erwerber in einem EU- und einem EWR- Mitgliedsstaat hat der Erwerber die Möglichkeit, einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht zu stellen. Diese Möglichkeit besteht nicht mehr, wenn Großbritannien nicht mehr zur EU gehört und auch kein EWR-Mitgliedsstaat wird.

Fazit:

Solange Großbritannien in der EU verbleibt, können in Großbritannien lebende Steuerpflichtige die Option zur unbeschränkten Steuerpflicht wahrnehmen. Nach dem Brexit jedoch ist dies für in Großbritannien ansässige Steuerpflichtige nicht möglich. Deren in Deutschland gelegenes Vermögen unterliegt der beschränkten Steuerpflicht mit der Folge, dass die Freibeträge nur entsprechend dem Anteil des in Deutschland belegenen Vermögens im Verhältnis zum gesamten Weltvermögen gelten.

Bsp.: Ein in Großbritannien lebender Brite schenkt seinem Sohn eine Immobilie in Deutschland im Wert von 100.0000 € und Bankvermögen in Großbritannien in Höhe von 300.000 €. Das in Deutschland belegene Vermögen macht ¼ der gesamten Schenkung aus. Daher erhält der Sohn ¼ des Freibetrags, also einen Freibetrag von 100.000 €.

Hat der Brite seinem Sohn 4 Jahre vorher bereits Bankvermögen in Großbritannien in Höhe von 400.000 € geschenkt, wird diese Schenkung zum gesamten Schenkungswert hinzugerechnet. Das in Deutschland belegene Vermögen macht dann 1/8 der gesamten Schenkung aus. Daher erhält der Sohn 1/8 des Freibetrags, also nur noch einen Freibetrag von 50.000 €.

Die beschränkte Steuerpflicht hat auch Vorteile: Nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG wird im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht nur Inlandsvermögen im Sinne des § 121 Bewertungsgesetz versteuert. Darunter fallen z.B. in Deutschland belebenes Betriebsvermögen oder Grundstücke. Nicht hierzu zählen z.B. Guthaben bei Banken.

Im Gegensatz dazu wird bei der unbeschränkten Steuerpflicht das gesamte Vermögen, also auch das sich im Ausland befindliche Vermögen des Steuerpflichtigen, versteuert.

Das Erbschaftssteuergesetz gewährt zahlreiche Steuerbefreiungen. Hierzu zählt insbesondere die Übertragung von Betriebsvermögen, vermieteten Wohnraum sowie des Familienheims. Diese Steuerbefreiungen werden jedoch nur gewährt, wenn sich das begünstigte Vermögen im Inland oder einem Mitgliedsstaat der EU bzw. des EWR befindet.

Folge:

Befindet sich das begünstigte Vermögen in Großbritannien, so werden hierfür nach dem Brexit keine Steuerbefreiungen gewährt.

Beispiel:

Ein Deutscher, der Mietwohnungen in Großbritannien besitzt, die zu Wohnzwecken vermietet sind, kann hierfür die Steuerbefreiung nach § 13 c ErbStG in Höhe von 10 % in Anspruch nehmen. Nach dem Brexit geht dies nicht mehr.

Grund:

Die Mietshäuser befinden sich nicht mehr in einem EU- bzw. EWR- Mitgliedsstaat und sind daher nicht mehr begünstigt.

Das gleiche gilt für Betriebsvermögen:

Ein Deutscher, der Betriebsvermögen in Großbritannien besitzt, kann für dieses vor dem Brexit eine umfangreiche Steuerbefreiung nach § 13 a und 13 b ErbStG in Anspruch nehmen. Auch nach der Erbschaftssteuerreform werden diese weiterhin in großem Umfang begünstigt. Diese Begünstigungen bestehen nach dem Brexit nicht mehr.

Fazit:

Für Briten, die nicht in Deutschland leben, bedeutet der Brexit, dass ihnen für ihr in Deutschland belegenes Inlandsvermögen die Option zur unbeschränkten Erbschaftssteuerpflicht mit den dabei verbundenen Vorteilen nicht mehr zusteht.

Für in Deutschland lebende Briten und Deutsche mit Vermögen in Großbritannien bedeutet dies, dass sie für ihr in Großbritannien belegenes Vermögen nach dem Brexit die deutschen Steuerbefreiungen nicht mehr in Anspruch nehmen können. Eine vorzeitige Übertragung – solange Großbritannien noch in der EU ist – kann daher sinnvoll sein.


Autor: 
Fachanwältin für Erbrecht


Artikel des Autors (22)

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Meine Kinder – deine Kinder – unsere Kinder … die Patchwork-Familie im Erbfall.

    Weiterlesen    

  • Familienrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Die Lebenserwartung wird immer höher, leider aber auch die Möglichkeit ein Pflegefall zu werden.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Die Reform der Erbschafts- und Schenkungssteuer ist zum 1. Januar 2009 in Kraft getreten, zum 1. Januar 2010 wurde nochmal nachgebessert.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Die Erbschafts- und Schenkungssteuerreform von 2009 wurde zum 1. Januar 2010 geändert. Welche Änderungen ergeben sich nun für den Einzelnen?

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Dem behinderten Kind Vermögen vererben - das so genannte Behindertentestament.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Das neue Erbschaftssteuerrecht ist zum 1. Januar 2009 in Kraft getreten. Welche Änderungen ergeben sich für den eingetragenen Lebenspartner?

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Im Alter einen neuen Partner zu finden hat sich immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Zahlreiche Menschen arbeiten im Ausland, manch ein Rentner verbringt dort seinen Lebensabend. Manche besitzen im Ausland ihre Ferienimmobilie oder haben ihr Vermögen angelegt. In Deutschland leben Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit. Für sie ergeben sich zum 17.8.15 Änderungen:

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Vermögen im Ausland oder ausländische Staatsangehörigkeit - wer erbt?

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Testament und Hofübergabe: Die Übergabe des Hofes oder Weinguts ist für die Landwirtsfamilie oder die Winzerfamilie eine einschneidende Angelegenheit.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Die Regenbogenfamilie ist auch im Erbrecht so bunt wie ihr Name.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Die neue Erbschafts- und Schenkungssteuer bringt neue Regelungen für Betriebsvermögen. Privatvermögen sind nicht betroffen. Bei Immobilien ist die Besteuerungsgrundlage deren Verkehrswert. Für Vermögen bis zur Höhe des Freibetrages - 500.000 € bei Ehegatten - braucht keine Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer gezahlt werden. Der Freibetrag fällt alle 10 Jahre neu an.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Erbschaftssteuer bei eingetragener Lebenspartnerschaft. Welche Änderungen ergeben sich für den eingetragenen Lebenspartner durch die Steuerreform zum 01.01.2010?

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Firmenerben müssen den ererbten Betrieb fünf Jahre weiterführen. Dann wird der Betrieb zu 85 Prozent von der Steuer befreit. Verstößt ein Firmenerbe innerhalb von 5 Jahren gegen die Behaltensregelung - stellt er seinen Betrieb ein oder veräußert er ihn - muss er die Steuer anteilig nachzahlen.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Für Briten, die nicht in Deutschland leben, bedeutet der Brexit, dass ihnen für ihr in Deutschland belegenes Inlandsvermögen die Option zur unbeschränkten Erbschaftssteuerpflicht mit den dabei verbundenen Vorteilen nicht mehr zusteht. Für in Deutschland lebende Briten und Deutsche mit Vermögen in Großbritannien bedeutet dies, dass sie für ihr in Großbritannien belegenes Vermögen nach dem Brexit die deutschen Steuerbefreiungen nicht mehr in Anspruch nehmen können. Eine vorzeitige Übertragung – solange Großbritannien noch in der EU ist – kann daher sinnvoll sein.

    Weiterlesen    

  • Familienrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Unfall, Krankheit oder das Alter können dazu führen, dass Sie nicht mehr selbst für sich entscheiden können. Für diesen Fall können Sie Vorsorge treffen: Sie selbst entscheiden, wer sich um Sie kümmern soll, wenn Sie dazu nicht mehr in der Lage sind.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Sie haben Vermögen oder Verwandte im Ausland? Sie selber oder Ihr Ehepartner haben eine ausländische Staatsangehörigkeit? Eine Immobilie in Spanien, das Bankkonto in der Schweiz – gilt das deutsche Erbrecht oder das spanische, schweizerische - oder alle zusammen? Sie leben als deutscher Staatsangehöriger in Österreich – gilt jetzt das deutsche oder das österreichische Erbrecht?

    Weiterlesen    

  • Erbschaftssteuer- und Schenkungsrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Die neue Erbschafts- und Schenkungssteuer ist zum 1. Januar 2009 in Kraft getreten, mit Änderungen zum 1.1.2010. In seiner Entscheidung vom 17.12.14 hat das Bundesverfassungsgericht die Erbschaftssteuer in seiner jetzigen Form für verfassungswidrig erklärt.

    Weiterlesen    

  • Erbschaftssteuer- und Schenkungsrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Die neue Erbschafts- und Schenkungssteuer ist zum 1. Januar 2009 in Kraft getreten, mit Änderungen zum 1.1.2010. In seiner Entscheidung vom 17.12.14 hat das Bundesverfassungsgericht die Erbschaftssteuer in seiner jetzigen Form für verfassungswidrig erklärt.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Mit der neuen Europäischen Erbrechtsverordnung ist (fast) nichts mehr so wie früher. Die neue EU-Erbrechtsverordnung (EuErbVO) will die Abwicklung grenzüberschreitender Erbfälle vereinfachen. Sie gilt für alle Erbfälle ab dem 17.8.2015. Damit fallen alte bzw. nationale Regelungen fort.

    Weiterlesen    

  • Familienrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Der Adoptierte hat heute gegenüber seinen Adoptiveltern die gleichen Erb- und Pflichtteilsrechte wie ein leibliches Kind. Umgekehrt haben diese die gleichen Erb- und Pflichtteilsrechte gegenüber ihrem adoptierten Kind. Der Adoptierte hat gegenüber seinen leiblichen Eltern keinerlei Erb- und Pflichtteilsrechte, diese haben umgekehrt ebenso keine Erb- und Pflichtteilsrechte gegenüber dem adoptierten Kind.

    Weiterlesen    

  • Erbrecht
    Rechtsanwältin Barbara Brauck-Hunger

    Das Erbrecht für Kinder aus einer Regenbogenfamilie ist relativ kompliziert. Wie erben die Kinder und in welcher Höhe? Gibt es Bevorzugungen nach ihrer Herkunft und welche Rolle spielt eine Adoption und warum sollte ein Testament besonders gestaltet werden....

    Weiterlesen    


Das könnte Sie auch interessieren:

Sofort-Beratersuche

AdvoGarant.de Mandantenfuchs

Schildern Sie Ihren Fall und Anwälte bewerben sich



AdvoGarant.de
Berater-Service

Sie wollen erfolgreich Kunden gewinnen und binden?

Wir helfen Ihnen als starker Partner für Marketing & Organisation

AdvoGarant Artikelsuche