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Praxistipp - Existenzgründung

Publiziert von:
Karl Siegmund Gerken
am 24.03.2006

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Existenzgründung

“Ein gutes Konzept vor Augen haben, früh aufstehen, lange arbeiten und Spaß an der Arbeit haben, dann wirst Du Dir Deine Rente verdienen können.”

– so hat es einmal ein hanseatischer Arbeitgeber seinen Mitarbeitern gegenüber geäußert.

Wer sich zur Selbständigkeit entschieden hat, hat im Vorfeld eine Reihe von Fragen geklärt, beziehungsweise ist diesen in aller Tiefe nachgegangen. Neben dem zukünftigen Namen des Unternehmens, dem Standort, der Marktsituation, einer möglichen Arbeitnehmerschaft sowie der Rechtsformwahl sind immer folgende Kriterien im Auge zu behalten:

  • die Ertragslage,
  • die Finanz- / Liquidationslage,
  • die Vermögenslage.

Eine Existenzgründung ist zumeist nur dann sinnvoll, wenn sie als Vollerwerbsunternehmen geplant ist und diese Zielsetzung konsequent verfolgt wird.

Es bedarf einer exakten Planung und Analyse der oben genannten Faktoren, um nachhaltigen Umsatz und somit eine relativ gleich bleibende Finanzlage und Liquiditätsdarstellung zu erreichen. Die Weiterentwicklung des Unternehmens ist gerade in der Start- und Gründungsphase von außerordentlicher Bedeutung. Wie auch aus Bankkreisen zu hören ist, wird die Startphase allgemein mit fünf Jahren angenommen.

Nur wer “über den Tellerrand” hinaus schaut, seine Leistung und die Positionierung am Markt frühzeitig erkennen kann, hat die Chance zu wachsen und dauerhaft am Markt zu bestehen. Während der Vorbereitungen sind bereits exakte Daten über die Branchen- und Wettbewerbssituation, sowie über Kundenbindung und -struktur, gegebenenfalls die Abhängigkeit von Lieferanten zu analysieren.

Eine Gründung ohne entsprechende Rechtsberatung ist unter den vorgenannten Aspekten kaum sinnvoll und möglich.

Häufig ist nicht viel Kapital vorhanden. Es geht um eine intensivste Startberatung, und gerade hier ist es von entscheidender Bedeutung Fachleute zu finden, die bereit sind, sich in die Problematik eines Unternehmens hineinzudenken. Dazu gehört auch kritisch zu hinterfragen und perspektivisch dieses Unternehmen zu skizzieren, mit aufzubauen.

Häufig sind es Einzelaspekte, die geklärt werden müssen. Neben den oben genannten Kriterien die Finanzen, die Versicherungen, einzelne Verträge, Mitarbeiterproblematik, EDV-Aufbau, regelmäßige Erfassung der Buchführung, Daten für die Finanzverwaltung, für die Krankenkassen, gegebenenfalls eben auch für die Banken und vieles dergleichen mehr. Hier jemanden zu finden, der betriebswirtschaftlich, strategisch denken kann und gerade in der Startphase mit kleineren Honoraren eine auch unterjährig aktive Begleitung gewährleistet, ist eine der schwierigsten und gleichzeitig wichtigsten Entscheidung für den Jungunternehmer.

Der Kunde darf niemals aus den augen verloren werden, er ist es schließlich, der den Umsatz für das Unternehmen bringt. Andererseits wird schnell erkennbar sein, dass ein Chef nicht alle Tätigkeiten leisten kann, also benötigt er gute Mitarbeiter. Diese zu finden und auf die Aus- und Fortbildung, sowie die Loyalität zum Unternehmen zu setzen, ist einer der schwierigsten Punkte in der Unternehmensgründungsphase.

Erfahrungsgemäß ist es häufig sinnvoller eine gute, erfahrene, wenn auch teurere Kraft einzustellen, als zwei oder drei Hilfskräfte mit kleinerem Entgelt. Dies sind strategische Fragen, die häufig genau an dieser Problematik scheitern.

Ein weiterer Punkt ist die Buchführung. Sie ist permanent zu führen und zumindest in den ersten Jahren auch vom Unternehmer monatlich zu lesen und zu werten.

Er braucht diese Daten für sich und für den Kapitalfluss des Unternehmens. Letztlich möchte er ja auch seine eigene Arbeit monatlich entlohnt sehen. Auch für die Banken sind diese Werte von entscheidender Bedeutung. Der Jungunternehmer hat die Daten seiner Buchführung regelmäßig zu analysieren. Er sollte die Geschäftsbeziehung stets überprüfen und insbesondere das Zahlungsverhalten seiner Kunden und seines eigenen Unternehmens im Auge behalten.

Zu den Ratingfaktoren (eine Bonitätsbegutachtung von Banken und Kunden) gehört neben diesen Faktoren aber auch eine strategische Ausrichtung. Die Eigentumssicherung des Unternehmens und insbesondere auch eine geregelte Unternehmensnachfolge sollten nicht dem Zufall überlassen werden. Nur wer seine eigene Situation realistisch sieht, hat Chancen sein Unternehmen langfristig zu stabilisieren. Es werden die Möglichkeiten und Risiken erkannt und die neue Lebensaufgabe kann dann Realität werden.

Das größte Unternehmerrisiko ist es, wieder Angestellter zu werden. In dieser scherzhaften Anmerkung ist, wie in vielen vergleichenden Redewendungen und Sinnsprüchen, viel Wahrheit zu sehen. Wer einmal selbständig gewesen ist, wer die Freiheit der Entscheidung positiver und negativer Art genossen und erreicht hat, möchte gerne auch die Früchte seines Erfolges genießen. Dies ist nur möglich, wenn auch langfristig ein entsprechender Kundenstamm mit qualifizierten Mitarbeitern bedient werden kann und ein entsprechend positiver Geist im Unternehmen wirkt. Bis der Jungunternehmer soweit gekommen ist, sind sicherlich die ersten fünf Jahre vergangen …

Stand: 24.03.2006